Wie funktioniert Wärmepumpen einfach erklärt
Wie funktioniert Wärmepumpen? Kältekreislauf, Jahresarbeitszahl und Typen wie Luft-Wasser und Erdwärme praxisnah erklärt für Mehrfamilienhäuser.

Die bestehende Gasheizung läuft noch, aber die nächste größere Reparatur steht im Raum. Gleichzeitig fragen Sie sich, ob eine Wärmepumpe Ihr Mehrfamilienhaus zuverlässig versorgen könnte, ohne dass sämtliche Heizkörper ausgetauscht oder Wohnungen zur Baustelle werden. Im ersten Gespräch hilft deshalb weniger ein Geräteprospekt als ein verständlicher Blick auf die Technik.
Wie funktionieren Wärmepumpen, und worauf kommt's im Bestand an? Die Antwort beginnt beim Kühlschrank und führt zu einer Frage, die für Eigentümer entscheidend ist: Welche Heizwassertemperatur braucht das Gebäude tatsächlich, damit alle Wohnungen warm werden?
Inhaltsverzeichnis
- Warum eine Wärmepumpe kein Heizkessel ist
- Der Kältekreislauf in vier Schritten
- Jahresarbeitszahl und was eine effiziente Anlage ausmacht
- Die drei Haupttypen und ihre Eignung im Mehrfamilienhaus
- Vorlauftemperatur als wichtigster Effizienzhebel
- Praxisbeispiel aus Remscheid und die Sprünge im Energieausweis
- Was Eigentümer eines Mehrfamilienhauses jetzt prüfen sollten
Warum eine Wärmepumpe kein Heizkessel ist
Ein Kühlschrank entzieht seinem Innenraum Wärme und gibt sie an die Küche ab. Eine Wärmepumpe arbeitet nach demselben Grundprinzip, nur mit einem anderen Nutzen: Sie nimmt Wärme aus der Umgebung auf und stellt sie dem Gebäude zur Verfügung. Was beim Kühlschrank als warme Rückseite auffällt, ist bei der Wärmepumpe das gewünschte Ergebnis.
Der entscheidende Unterschied zum Heizkessel liegt damit nicht allein im Energieträger. Ein Kessel setzt durch Verbrennung Wärme frei. Eine Wärmepumpe transportiert Wärme und hebt deren Temperaturniveau an. Dafür braucht sie elektrische Antriebsenergie.
Die Gegenüberstellung macht diesen Unterschied anschaulich.

Umweltwärme ist noch keine Heizwärme
Außenluft, Erdreich und Grundwasser kommen als Wärmequellen infrage. Ihre Wärme lässt sich aber nicht einfach unmittelbar in einen Heizkörper schicken. Das Temperaturniveau muss zunächst so angehoben werden, dass das Heizwasser Räume und gegebenenfalls Trinkwarmwasser erwärmen kann.
Diesen Schritt übernimmt ein thermodynamischer Kältekreislauf. Der Begriff klingt zunächst widersprüchlich, weil die Anlage doch heizen soll. Gemeint ist jedoch ein technischer Kreislauf, der auf einer Seite Wärme aufnimmt und auf der anderen wieder abgibt.
Für Eigentümer ergibt sich daraus eine andere Denkweise als beim Kesseltausch:
- Wärmequelle prüfen: Woher kann die Anlage am konkreten Standort Umweltwärme beziehen?
- Gebäudeanforderung klären: Welches Temperaturniveau benötigt die vorhandene Wärmeverteilung?
- Gesamtsystem betrachten: Wie passen Wärmeerzeugung, Leitungsnetz, Speicher und Regelung zusammen?
Strom ist dabei nicht bloß ein Hilfsstoff, sondern ein wesentlicher Teil der Energiebilanz. Deshalb ist eine Wärmepumpe nicht automatisch klimaneutral, nur weil am Gebäude kein Gas mehr verbrannt wird. Ihr Strombedarf und die Stromerzeugung gehören zur Bewertung dazu.
Im Mehrfamilienhaus bedeutet das: Nicht allein die neue Maschine entscheidet über das Ergebnis. Der Planer muss auch verstehen, wie die bestehende Heizung Wärme bis in die ungünstig gelegene Wohnung verteilt. Die Wärmepumpe ersetzt einen Wärmeerzeuger, sie beseitigt aber nicht automatisch Schwächen des vorhandenen Heizsystems.
Der Kältekreislauf in vier Schritten
Im Inneren der Wärmepumpe zirkuliert ein Kältemittel. Es ist nicht mit dem Heizwasser gleichzusetzen: Das Kältemittel transportiert Wärme innerhalb des technischen Kreislaufs, während das Heizwasser sie anschließend im Gebäude verteilt.
Der Kreislauf besteht aus Verdampfer, Verdichter, Verflüssiger und Expansionsventil. Die Grafik zeigt, in welcher Reihenfolge das Kältemittel diese Bauteile durchläuft.

Wärme aufnehmen und die Temperatur anheben
Im Verdampfer nimmt das Kältemittel Umweltwärme auf. Dazu muss es kälter sein als die jeweilige Wärmequelle. Es verdampft bei niedrigem Druck, während Wärme von außen in den Kreislauf gelangt.
Hier entsteht häufig ein Missverständnis: Kalte Außenluft ist nicht gleichbedeutend mit einer unbrauchbaren Wärmequelle. Entscheidend ist der Temperaturunterschied zwischen Luft und Kältemittel. Auch wenn sich die Luft für Menschen kalt anfühlt, kann sie Wärme an das noch kältere Kältemittel abgeben.
Anschließend verdichtet der elektrisch angetriebene Verdichter das gasförmige Kältemittel. Dabei steigen Druck und Temperatur. Wer schon einmal einen Fahrradreifen mit einer Handpumpe aufgepumpt und die Erwärmung der Pumpe bemerkt hat, kennt eine alltagstaugliche Annäherung an diesen Zusammenhang.
Der Verdichter ist also nicht einfach ein elektrischer Heizkörper. Er schafft die Bedingungen, unter denen das Kältemittel seine aufgenommene Wärme auf einem höheren Temperaturniveau abgeben kann.
Wärme abgeben und den Ausgangszustand herstellen
Im Verflüssiger gibt das heiße Kältemittel Wärme an das Heizsystem ab. Dabei kondensiert es, wird also wieder flüssig. Heizwasser und Kältemittel bleiben durch den Wärmetauscher voneinander getrennt.
Danach gelangt das Kältemittel zum Expansionsventil. Dort sinkt der Druck, und das Kältemittel erreicht wieder einen Zustand, in dem es Umweltwärme aufnehmen kann. Der Kreislauf beginnt erneut.
Die Aufgaben lassen sich knapp zuordnen:
- Verdampfer: Umweltwärme aufnehmen.
- Verdichter: Druck und Temperatur erhöhen.
- Verflüssiger: Wärme an das Heizsystem abgeben.
- Expansionsventil: Den Druck für die erneute Wärmeaufnahme absenken.
Feste Temperaturangaben für jede Station wären ohne konkrete Anlage irreführend. Die Betriebszustände hängen unter anderem von Wärmequelle, Kältemittel und benötigter Heizwassertemperatur ab. Für das Verständnis zählt zunächst die Reihenfolge, nicht eine vermeintlich universelle Temperaturkurve.
Eine bewegte Darstellung hilft dabei, den geschlossenen Kreislauf nachzuvollziehen.
Jahresarbeitszahl und was eine effiziente Anlage ausmacht
Wie viel Strom braucht die Anlage für die tatsächlich gelieferte Wärme? Diese Frage beantwortet die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ. Sie setzt die über ein ganzes Jahr abgegebene Wärmemenge ins Verhältnis zur dafür eingesetzten elektrischen Energie.
Wichtig ist dabei die Bilanzgrenze: Welche Stromverbraucher wurden berücksichtigt, und an welcher Stelle wurde die Wärme gemessen? Eine Kennzahl für die Wärmepumpe allein lässt sich nicht bedenkenlos mit einer Kennzahl für die gesamte Heizungsanlage vergleichen.
Reale Messwerte statt eines einzelnen Betriebspunkts
Eine JAZ von 3,3 bedeutet, dass aus einer Kilowattstunde Strom im Jahresmittel 3,3 Kilowattstunden Wärme bereitgestellt werden; im Fraunhofer-Feldtest erreichten 22 Außenluft-Wärmepumpen von September 2022 bis August 2023 im Mittel genau diesen Wert, bei einer Spannweite von 2,4 bis 4,0, während zehn erdgekoppelte Anlagen zwischen 3,6 und 5,2 lagen (Fraunhofer ISE zu gemessenen Jahresarbeitszahlen im Gebäudebestand).
Der Mittelwert ist eine Orientierung, keine Zusage für Ihr Objekt. Die Spannweite zeigt gerade, dass Planung und Betrieb einen Unterschied machen. Ein Angebot sollte deshalb erklären, welche Wärmeverteilung, Warmwasserbereitung und Betriebsweise seiner Effizienzprognose zugrunde liegen.
Effizienz im Vergleich: Wärmepumpe versus Gaskessel
| Kennzahl | Wärmepumpe (LW) | Wärmepumpe (Erdwärme) | Gaskessel |
|---|---|---|---|
| Eingesetzte Energie | Strom und Umweltwärme | Strom und Erdwärme | Erdgas |
| Maßstab für den Jahresbetrieb | JAZ mit benannter Bilanzgrenze | JAZ mit benannter Bilanzgrenze | Nutzungsgrad |
| Wichtige Einflussgrößen | Außenluft und benötigte Heiztemperatur | Erschließung der Quelle und benötigte Heiztemperatur | Brennstoffnutzung und Betriebsweise |
| Grundlage des Klimavergleichs | Stromverbrauch und Strommix | Stromverbrauch und Strommix | Gasverbrauch und Emissionsansatz |
Die Tabelle ist bewusst keine Rangliste mit einem einzigen Wirkungsgrad. Die Systeme nutzen unterschiedliche Energiequellen, deshalb braucht der Vergleich eine gemeinsame Bezugsgröße: die gelieferte Wärme.
Effizienz und Klimawirkung getrennt bewerten
Für die Klimabetrachtung nennt das Umweltbundesamt für 2023 einen Stromemissionsfaktor von 380 Gramm CO₂ je Kilowattstunde, für Erdgas 200 Gramm je Kilowattstunde Brennstoff und einen Gaskesselnutzungsgrad von 95 Prozent; daraus ergibt sich eine rechnerische Gleichstandsschwelle von ungefähr JAZ 1,8, während die ausgewerteten Anlagen je nach Effizienz 18 bis 62 Prozent Treibhausgase gegenüber dem Gaskessel einsparten (Umweltbundesamt zur Klimabilanz von Wärmepumpen).
Diese Schwelle ist keine wirtschaftliche Zielgröße. Klimavorteil und günstiger Wärmepreis sind unterschiedliche Fragen. Ob eine Anlage wirtschaftlich arbeitet, hängt zusätzlich von Stromtarif, Investition, Wartung und Vertragsmodell ab.
Für den Angebotsvergleich: Lassen Sie sich nicht nur eine erwartete JAZ nennen. Fragen Sie auch, welche elektrischen Verbraucher darin enthalten sind und wie der spätere Betrieb gemessen wird.
Eine belastbare Auswertung braucht zusammenpassende Wärme- und Strommessungen. Nur dann lässt sich unterscheiden, ob eine Abweichung aus dem Gebäude, der Regelung oder einer zu optimistischen Annahme stammt.
Die drei Haupttypen und ihre Eignung im Mehrfamilienhaus
Bei einer wassergeführten Zentralheizung bezeichnet der erste Teil des Systemnamens die Wärmequelle, der zweite die Wärmeseite. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe entzieht also der Luft Wärme und überträgt sie an Heizwasser. Die Typenwahl beginnt deshalb am Standort, nicht beim Herstellerkatalog.
Für Eigentümer ist die praktische Frage: Welche Quelle lässt sich auf dem Grundstück sinnvoll erschließen, ohne die Anforderungen des Gebäudes aus dem Blick zu verlieren?

Luft, Erdreich oder Grundwasser
Luft-Wasser-Systeme nutzen die Außenluft. Für eine erste Objektprüfung gehören daher mögliche Aufstellorte, Leitungswege und die Nachbarschaftssituation auf den Tisch. Auch die Frage, wie die Anlage unter ungünstigen winterlichen Bedingungen die erforderliche Heizleistung bereitstellt, muss der Planer beantworten.
Eine pauschale Aussage wie „passt vor jedes Haus“ wäre keine seriöse Auslegung. Gerade bei dicht bebauten Grundstücken kann die räumliche Einbindung über die Umsetzbarkeit entscheiden.
Bei Sole-Wasser-Systemen stammt die Wärme aus dem Erdreich. Damit rückt die Erschließung der Quelle in den Mittelpunkt: Welche Grundstücksflächen stehen zur Verfügung, welche Untergrundlösung kommt infrage und welche Genehmigungsfragen müssen geklärt werden? Die Entscheidung umfasst hier mehr als die Auswahl der Wärmepumpe im Technikraum.
Wasser-Wasser-Systeme nutzen Grundwasser. Ob diese Variante geeignet ist, muss standortbezogen geprüft werden. Ohne belastbare Klärung der nutzbaren Quelle, der technischen Erschließung und der wasserrechtlichen Anforderungen wäre eine Effizienzrangliste wenig hilfreich.
| System | Entscheidende Standortfrage | Für das Mehrfamilienhaus besonders zu prüfen |
|---|---|---|
| Luft-Wasser | Wo lässt sich die Außenanlage sinnvoll unterbringen? | Aufstellung, Schall, Leitungswege und Winterauslegung |
| Sole-Wasser | Wie kann das Erdreich erschlossen werden? | Grundstück, Untergrund, Genehmigungen und Erschließungsaufwand |
| Wasser-Wasser | Ist Grundwasser am Standort nutzbar? | Wasserrechtliche und technische Machbarkeit der Quellenanlage |
Warum die Quelle allein keine Entscheidung liefert
Eine erschließbare Wärmequelle ist eine Voraussetzung, aber noch kein vollständiges Versorgungskonzept. Der Fachplaner muss sie mit der Gebäudelast, der zentralen Warmwasserbereitung und dem vorgesehenen Betrieb zusammenbringen.
Deshalb sollte ein Variantenvergleich nicht nur Anschaffungspreise gegenüberstellen. Sinnvoller ist die Frage, welche Lösung unter den konkreten Bedingungen eine belastbare Versorgung und nachvollziehbare Betriebskosten erwarten lässt. Auch mögliche Erweiterungen oder Veränderungen im Bestand gehören in diese Abwägung.
Eine begriffliche Stolperfalle ist die Verwechslung von Luft-Wasser- und Luft-Luft-Systemen. Bei Letzteren wird Wärme an Raumluft statt an ein zentrales Heizwassernetz abgegeben. Der Beitrag zur Luft-Luft-Wärmepumpe zum Heizen hilft bei der Abgrenzung.
Für ein Mehrfamilienhaus mit vorhandener Zentralheizung lautet die erste Aufgabe daher nicht, möglichst viele Gerätetypen zu vergleichen. Zunächst muss feststehen, welches Versorgungskonzept zum bestehenden Gebäude passt.
Vorlauftemperatur als wichtigster Effizienzhebel
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers auf dem Weg zu den Heizflächen. Sie bestimmt wesentlich mit, wie groß der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und Heizsystem ausfällt. Je größer dieser Unterschied, desto mehr Arbeit muss der Verdichter typischerweise leisten.
Ein Heizkörper, der unter bisherigen Einstellungen nur mit sehr heißem Wasser genügend Wärme abgibt, ist deshalb ein konkreter Prüfpunkt. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass sämtliche Heizkörper ungeeignet sind. Entscheidend ist, welche Räume unter abgesenkten Temperaturen tatsächlich nicht mehr ausreichend warm werden.
Was die Messwerte zeigen
Eine UBA-Analyse nennt für eine Standard-Wärmepumpe bei 55/45 °C Heizkreisbedingungen ungefähr JAZ 3,0 und sieht Werte über 3 vor allem bei maximalen Vorlauftemperaturen unter 50 °C; ein dokumentierter Praxisfall erreichte bei 35 °C Vorlauf eine Wärmepumpen-JAZ von 4,84, einschließlich Steuerung, Umwälzpumpen und Heizstab jedoch eine Gesamt-JAZ von 3,83 (UBA-Analyse zu Wärmepumpensystemen in Bestandsgebäuden).
Die unterschiedlichen Kennzahlen des Praxisfalls zeigen zugleich, warum die Bilanzgrenze wichtig ist. Aus einer niedrigen Vorlauftemperatur lässt sich keine universelle JAZ ableiten. Sie schafft günstige Bedingungen, ersetzt aber keine Anlagenbewertung.
Die folgende Darstellung veranschaulicht den grundsätzlichen Zusammenhang. Sie ist als schematische Orientierung zu lesen, nicht als Prognose für ein bestimmtes Gebäude.

Vom Temperaturwunsch zur belastbaren Prüfung
Vor der Auslegung sollte der Fachbetrieb die Heizkurve untersuchen. Sie legt fest, welche Vorlauftemperatur die Regelung bei einer bestimmten Außentemperatur anfordert. Eine schrittweise Absenkung mit dokumentierter Beobachtung kann zeigen, welche Temperatur das Gebäude wirklich benötigt.
- Heizflächen raumweise prüfen: Nicht nur die Heizkörperart erfassen, sondern die mögliche Wärmeabgabe dem Bedarf des jeweiligen Raums gegenüberstellen.
- Hydraulischen Abgleich vorsehen: Die Verteilung so einstellen, dass die benötigten Wassermengen die jeweiligen Heizflächen erreichen.
- Regelung abstimmen: Witterungsführung und Betriebszeiten auf Gebäude und Nutzung ausrichten.
- Trinkwarmwasser getrennt bewerten: Dessen Temperaturanforderungen und hygienische Randbedingungen nicht mit der Raumheizung gleichsetzen.
Ein einzelner kritischer Raum sollte Anlass für eine gezielte Prüfung sein, nicht automatisch für eine dauerhaft höhere Temperatur im gesamten Haus.
Auch Speicher und Spitzenlastversorgung müssen in das Konzept passen. Ein zusätzliches Bauteil ist nicht schon deshalb sinnvoll, weil es auf einem Standardschema eingezeichnet ist. Der Planer sollte seine Funktion im vorgesehenen Betrieb erklären können.
Für die vertiefende Bestandsbewertung bietet der Beitrag zur Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus-Altbau weitere Orientierung. Die zentrale Priorität bleibt: Zuerst den tatsächlichen Temperaturbedarf verstehen, dann das Gerät auswählen.
Praxisbeispiel aus Remscheid und die Sprünge im Energieausweis
Ein modernisiertes Objekt in Remscheid kann für einen Eigentümer ein anschaulicher Gesprächseinstieg sein. Eine Referenz ersetzt jedoch nicht die Prüfung des eigenen Hauses. Wer damit eine Investitionsentscheidung begründen möchte, sollte die ursprünglichen Energieausweise, das technische Konzept und die späteren Verbrauchsauswertungen nebeneinanderlegen.
Gerade bei eindrucksvollen Klassensprüngen muss klar sein, was verglichen wird. Berechneter Endenergiebedarf, gemessener Verbrauch und betriebliche Emissionen sind unterschiedliche Größen. Sie beantworten verschiedene Fragen und dürfen nicht wie austauschbare Erfolgskennzahlen behandelt werden.
Was eine aussagekräftige Referenz enthalten sollte
Für die Übertragung auf ein anderes Mehrfamilienhaus sind die technischen Ausgangsbedingungen wichtiger als die Ortsangabe. Ein Eigentümer sollte nachvollziehen können, welche Maßnahmen umgesetzt wurden und unter welchen Bedingungen das Ergebnis zustande kam.
Dazu gehören insbesondere:
- Ausgangszustand: Welche Wärmeversorgung und welche Verteilung bestanden vor der Umrüstung?
- Maßnahmenumfang: Wurden nur Wärmeerzeuger ersetzt oder auch Regelung, Hydraulik und Heizflächen angepasst?
- Bewertungsmethode: Beruht das Ergebnis auf einer Berechnung oder auf gemessenen Betriebsdaten?
- Vergleichbarkeit: Stimmen Nutzungsbedingungen und betrachtete Energieflüsse ausreichend überein?
Eine ausgewiesene Verbesserung im Energieausweis ist damit ein relevanter Hinweis, aber noch keine vollständige Betriebskostenrechnung. Ebenso lässt sich aus einem günstigen rechnerischen Emissionswert nicht ohne Weiteres ein emissionsfreier Betrieb zu jedem Zeitpunkt ableiten.
Das Baujahr ist kein Ausschlusskriterium
Der verbreitete Schluss, ältere Häuser seien grundsätzlich ungeeignet, greift dennoch zu kurz. Die zuvor beschriebenen Feldmessungen belegen, dass Wärmepumpen im Bestand funktionieren können. Sie liefern aber keine pauschale Zusage für jede zentrale Großanlage.
Eine weitere Messauswertung umfasste 77 Anlagen mit Jahresarbeitszahlen von 2,6 bis 5,4 und Mittelwerten von 3,4 für Luft-Wasser- sowie 4,3 für Erdreichsysteme; untersucht wurden allerdings Ein- bis Dreifamilienhäuser, weshalb die Ergebnisse nicht ungeprüft auf größere Mehrfamilienhäuser übertragen werden sollten (kommunale Fachunterlage zu Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus).
Die richtige Schlussfolgerung ist weder „Altbau geht nicht“ noch „jeder Altbau geht ohne Anpassung“. Sie lautet: Das konkrete Gebäude braucht eine technische Bestandsaufnahme. Erst danach lässt sich entscheiden, ob punktuelle Nachrüstungen genügen oder umfangreichere Maßnahmen erforderlich sind.
Was Eigentümer eines Mehrfamilienhauses jetzt prüfen sollten
Für die erste Entscheidung brauchen Sie keine vollständige Detailplanung. Sie brauchen belastbare Antworten auf die Fragen, die über Eignung, Aufwand und spätere Wärmekosten entscheiden. Stellen Sie dafür Energieausweis, Verbrauchsabrechnungen und vorhandene Anlagenunterlagen zusammen.
Die Prüfliste fürs Erstgespräch
- Temperaturbedarf dokumentieren: Welche Vorlauftemperaturen werden bei welcher Witterung tatsächlich gefahren?
- Heizflächen bewerten: Welche Räume begrenzen eine mögliche Temperaturabsenkung?
- Hydraulik klären: Ist die Wärmeverteilung nachvollziehbar erfasst und abgeglichen?
- Speicherkonzept prüfen: Welche Aufgabe erfüllen vorhandene oder geplante Speicher?
- Warmwasser separat betrachten: Welche Anforderungen entstehen unabhängig von der Raumheizung?
Verlangen Sie anschließend ein Konzept, das Wärmequelle, Auslegung und Betriebsführung zusammenführt. Eine nachvollziehbare Planung benennt auch Unsicherheiten und erklärt, wie der Betreiber nach der Inbetriebnahme auf Abweichungen reagiert.
Nicht nur Investition, sondern gelieferte Wärme vergleichen
Neben dem Eigenkauf kommen Wärmeliefermodelle infrage. Dabei sollte vertraglich klar sein, wer Planung, Finanzierung, Wartung und Betriebsrisiken übernimmt. Bei einem festen Arbeitspreis müssen außerdem Grundkosten, Messkosten, Laufzeit und mögliche weitere Preisbestandteile verständlich ausgewiesen sein.
Reduzierte Netzentgelte können die Rechnung beeinflussen, sind aber keine pauschale Ersparnis für jedes Objekt; entscheidend sind unter anderem Netzbetreiber, Messkonzept und gewähltes Modell (Verbraucherzentrale zu Wärmepumpenstrom und Netzentgelten). Lassen Sie deshalb auch ungünstigere Annahmen für Strombezug und Effizienz durchrechnen.
Der Überblick zum Preis einer Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus unterstützt diese kaufmännische Prüfung. Eine gute Entscheidung verbindet technische Eignung mit transparenten Wärmekosten, statt allein auf den Gerätepreis oder ein Referenzobjekt zu setzen.
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